InfoBei dem RST sind alle im kalten Wasser
Foto: Jan Montag

Schleswiger Kanu-Club „Haithabu“ e.V.

Unterkühlung — der Tod im Wasser

Der Zweck dieses Ratgebers ist es, die Gefahren der Unterkühlung im Wasser, die das Leben bedrohen können, zu untersuchen und Ratschläge zu geben, wie derartige Gefahren vermeiden oder so gering wie möglich gehalten werden können.

Der Untergang der TITANIC im Jahre 1912 lieferte auf dramatische Weise ein Beispiel für die Auswirkungen eines Aufenthaltes im kalten Wasser. Alle Personen, die sich zum Zeitpunkt des Untergangs im Wasser befanden, sind an Unterkühlung gestorben - fast alle Personen, die sich in Rettungsbooten aufhielten, überlebten.

Untersuchungen haben gezeigt, dass eine normal gekleidete Person in unbewegtem Wasser mit einer Temperatur von 5° C nur eine 50 Prozentige Chance hat, eine Stunde zu überleben. Einfache Methoden der Selbsthilfe können helfen, diese Zeitspanne zu verlängern, insbesondere dann, wenn die betroffene Person einen entsprechenden Kälteschutz trägt!

Auch wenn viele Kanuten so paddeln, sei es hier einmal in aller Deutlichkeit gesagt: Eine Fleecehose und Regenjacke sind definitiv KEINE Kälteschutzbekleidung beim Kajakfahren! Im Frühjar, Herbst und Winter und auf Großgewässern ist so eine Bekleidung Lebensgefährlich!

Ihr Körper

Stellen Sie sich Ihren Körper als einen inneren Kern mit einer äußeren Hülle vor, innerhalb dieses Kerns erzeugt Ihr Körper aufgrund normaler Körperfunktionen, wie z.B. Bewegung oder Verdauungstätigkeit, viel Wärme. Die Natur verlangt eine Idealtemperatur von 37° C im Innern des Körpers. Ein weitverzweigtes Netz von Blutgefäßen durchläuft den Kern und die äußere Hülle Ihres Körpers, wobei die von einer „Heizung“ im Innern erzeugte Wärme aufgenommen und über den ganzen Körper verteilt wird. Ein akkurates Regulierungssystem ist für die Aufrechterhaltung einer konstanten Temperatur im Körperinnern verantwortlich.

Aber dieser Regulierungsmechanismus funktioniert naturgemäß nur innerhalb gewisser Grenzen – es gibt also äußere Temperaturbedingungen, unter denen Ihr Körper zur Aufrechterhaltung der von der Natur gewählten Körpertemperatur von 37° C Unterstützung benötigt. Diese Hilfe müssen Sie ihm geben, indem Sie sich richtig verhalten und die richtige Schutzkleidung tragen.

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Wärmeverlust

Wärmeleitung

Hierbei wird die Wärme über direkten Kontakt mit kaltem Wasser oder anderen Medien übertragen - Wärme geht von Ihrem Körper, der eine verhältnismäßig hohe Temperatur besitzt, an einen Stoff niedrigerer Temperatur über.

Einige Stoffe oder Materialien sind bessere Wärmeleiter als andere, die Wärmeleitfähigkeit von Wasser ist um Vielfaches höher (Faktor ca. > 25!) als die von Luft. Aus diesem Grund ist es wichtig den Körper trocken zu halten!

Wärmeströmung

Es handelt sich hier um den Abtransport von Wärme über Luft- und Wasserströmungen. Bewegte Luft empfindet der Körper als wesentlich kühler als unbewegte Luft Die Abkühlung durch Wind wird als Wind-Chill-Effect bezeichnet. In ähnlicher Weise hat bewegtes Wasser in der Umgebung Ihres Körpers eine größere Kühlwirkung als stehendes Wasser der derselben Temperatur. Aus diesem Grund ist mindestens eine wind- und wasserdichte Paddeljacke Pflicht!

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Unterkühlung

Der Verlust an Körperwärme stellt eine der größten Gefahren für das überleben im Wasser dar - wie schnell dieser Verlust vonstatten geht, ist abhängig von der Wasser- und Lufttemperatur, Windgeschwindigkeit, Seegang, der Verweildauer im Wasser, der angelegten Schutzkleidung, dem Körperbau des Betroffenen und seinem Verhalten im Wasser.

Eine anomal niedrige Körpertemperatur lässt sich an einer Reihe von Symptomen erkennen.

Ist die Kältewirkung jedoch schwerwiegend, so ist der Körper nicht mehr in der Lage, ausreichend Wärme zu speichern oder zu erzeugen.

Die Körpertemperatur im Innern beginnt zu sinken - unterschreitet sie 35° C, so leidet der Mensch an Unterkühlung.

Tod durch Unterkühlung wird dann definiert als der erfolglose Versuch der Reanimation durch Wiedererwärmen.

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Schutz vor Unterkühlung

Trockenanzug Im Kajaksport kann man sich relativ einfach vor der Unterkühlung schützen, entweder man geht bei kaltem Wasser nicht mehr paddeln oder man trägt einen Wassersportgerechten Kälteschutz:

Eine Fleecehose und Regenjacke sind definitiv KEINE Kälteschutzbekleidung beim Kajakfahren!

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Verhaltensregeln während des Notfalls

Was ist zu tun, wenn man ohne genügenden Kälteschutz im Wasser landet?

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Gefahren während und nach der Rettung

Das Phänomen des Afterdrop
Die Auskühlung des Körpers erfolgt zeitversetzt von außen nach innen. Nach der Bergung des Unterkühlten ist der Körperkern weiterhin dem Einfluß der umgebenden kälteren Gewebeschichten (Muskulatur, Fettgewebe) ausgesetzt, obwohl die Temperatur der Haut bereits wieder ansteigt. Die Kerntemperatur wird also zunächst weiter absinken. Dabei kann die Unterkühlung das nächstschwerere Stadium erreichen, besonders wenn durch Bewegungen kaltes Schalenblut in den Kern strömt.
Kammerflimmern

Desynchronisation der Herzmuskelfasern, jede Faser zuckt für sich, es kann kein Blut in die größeren Arterien gepumpt werden, faktisch ein Herzstillstand. Je niedriger die Kerntemperatur, desto größer die Gefahr des Kammerflimmerns.

Mechanische oder thermische Reize (Bewegungen, Einstrom kalten Schalenblutes, Einflößen heißer Getränke) können jederzeit Kammerflimmern auslösen und somit eine sofortige Reanimation notwendig machen.

Wiedererwärmungsschock
Die unphysiologische Verteilung des Flüssigkeitsvolumens spielt solange keine Rolle, wie die kältebedingte Gefäßverengung in der Peripherie andauert. Wird jedoch die Haut erwärmt, so weiten sich die Adern und schlucken große Blutmengen, die dem Körperkern plötzlich fehlen. Es kommt durch die Minderdurchblutung lebenswichtiger Organe (Gehirn, Herz, Niere) zur Ausbildung eines lebensbedrohlichen Zustandes der nur durch rasche Auffüllung des Gefäßsystems (Infusion sog. „Plasmaexpander“) beherrscht werden kann.

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Behandlungsgrundsätze unabhängig vom Schweregrad

Raus aus der Kälte (dem Wasser), Raus aus der Nässe (Cockpit lenzen), Raus aus dem Wind. Ärtztliche Hilfe!

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Behandlungsmethoden abhängig vom Schweregrad

Im Zweifel den Unterkühlten immer in Ärztliche Behandlung geben!

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18. March 2013